Wandlungskräfte durch Sterben und Wiedergeburt

sterbende Tochter der Niobe
sterbende Tochter der Niobe

 

 

 

Das Charakteristikum eines freien Menschen ist, dass er herunterholt seine geistige Biographie ins Erdenleben.

 

nach Jean-Claude Lin

Die weitverbreite Angst vor dem Tod und mehr noch vor dem Sterben ist ein Relikt aus der kulturellen Römerzeit. Römer konzentrierten sich auf das Erdenleben und entwickelten ein äußerliches Streben nach eigennützigem Gewinn und persönlicher Macht. Tod wurde einfach als Ende aufgefasst und im Tagesbewusstsein verdrängt. Diese damals neuen Fähigkeiten sind in die Menschheit eingeschrieben. Das Christus-Ereignis mitten in dieser Zeit lenkte den Blick nach innen auf die Existenz einer unsterblichen Seele.

Seit der Renaissance, dem Beginn der europäischen Kulturepoche der Bewusstseinsbildung, erwacht der europäische Mensch für eine individuell spirituelle Reifung.

In allen Zeiten haben weltweit viele Menschen auf diesem Weg bereits Erfahrungen gemacht und seit dem Buchdruck ihre Erkenntnisse der Allgemeinheit geschenkt. Das liegt heute veröffentlicht buchstäblich 'auf der Straße'.

Ein Studium des weltweiten unterschiedlichen Wissens über Sterben und Tod fördert die menschlichen ureigenen Wandelungskräfte bewusst zu nutzen.

 

Das unkennbare unendliche All offenbart sich durch Leben und Tod im endlichen Universum und erscheint als Kreislauf von Sterben und Wiedergeburt. Dem folgt uneingeschränkt alles natürliche Leben auf Erden. Menschliches Bewusstsein ist eine darüberhinausgehende geistige Kraft, mit der nicht nur Kenntnisse erworben sondern auch Energien wirkungsvoll erzeugt werden.

 

Jede menschliche Seele erfährt im Kleinen bei jedem neuen Bewusstseinsschritt eine Art Sterben und Wiedergeburt. Auch künstlerische Arbeit ist davon durchdrungen.

Als kleiner Bruder des Todes durchläuft der Schlaf das Nachtgeschehen. Im Einschlafen löst sich ein Teil Bewusstseinsenergie aus dem Körper heraus, befindet sich zunächst im teilbewussten 'Traumland' einer Bilderwelt und bearbeitet hier außerhalb von Raum und Zeit Erfahrungen. Dann folgt ein Tiefschlaf auf der Stufe der Bewusstlosigkeit. Im träumenden Erwachen werden die erfahrenen Auswertungen eingesammelt und mit den unbewussten Körper-Erinnerungen verbunden. Das Tagesgeschehen gleicht einer kleinen Schwester des Erdenlebens. Durch sich alltäglich bietende Herausforderungenj, die Lektionen sein können,  dienen der Seele dazuzulernen und Bewusstsein weiter zu entwickeln.

Beim eigentlichen Tod löst sich je nach Entwicklung langsamer oder zügiger das Bewusstsein der unsterblichen Seele ganz aus Zusammenhängen mit dem sterblichen Körper, der in seine elementaren Substanzen zerfällt.

 

Bewusstsein entzündet sich an weckenden Begegnungen. Darüber wird nachgedacht, Erlebnisse ausgewertet und Erfahrungen zu Erkenntnissen geformt. So entsteht persönliches Wissen, das zu Überzeugungen wird, wenn sie sich bewahrheiten.

Der menschliche Körper erscheint in  einer verdichteten Form, die sich aus dem  Inkarnationsauftrag mit allen Schulungs-Prüfungen und  auch alle ungeklärten Erfahrungen aus früheren Erdenleben bildet.  Dafür werden geeignete leibliche Eltern ausgewählt, deren Lebensweise dazu passt.

 

Die Geburt findet zunächst in einem Leihkörper mit den Genen der Eltern statt und wird entsprechend der seelischen Kräfte bis zur Schulreife für den individuellen Lebensauftrag umgearbeitet. Wenn heute immer mehr Kleinkinder weisheitsvolle Erinnerungen äußern, bedeutet das, dass sie sich diese in früheren Leben erarbeitet haben. Wärend der Kinder- und Jugendzeit prägt sich das Bewusstsein stufenweise tiefer dem Unbewussten ein. Im Erwachsenen lösen sich bei Bedarf für die Entwickluingsaufgabe solche Er-Innerungen. So können alte innere Codierungen geändert und die Lebenshaltung neu ausgerichtet werden.  Im Alter nehmen die körperlichen Abbaukräfte zu, damit steigen  Erinnerungen leichter auf ins Bewusstsein und können für reinigende Lebensverarbeitungen genutzt werden.

(Der Stille Wandel, Individuelle Reifung, S. 251 ff)

Zum natürlichen Ende eines Erdenlebens löst sich das Bewusstsein stufenweise aus Körperbindungen. Sinneserfahrungen nehmen ab; das emotionale Interesse am Leben Nahestehender lässt nach; Wärmeprozesse reduzieren sich; der Körper verliert lebenspendende wässrige Kräfte und trocket aus bis der Atem stockt und der Herzschlag aussetzt. Das ist der klinische Tod! Was durch Tod abgegeben wird ist das Körperliche,  Sichtbare, nicht aber das Wesen, das Seelisch-Geistige.

Das Bewusstsein löst sich von den Raum-Zeit- Bedingungen des Körpers und befindet sich jetzt in einer Welt von bewegten Bildern, in denen das Erdenleben wie auf einer Leinwand sich darstellt und erlebt wird. Frei von allen persönlichen Wertungen fallen neue Zusammenhänge auf. Unmittelbar wird erfahren, was durch eigenes Verhalten bei anderen verursacht wurde und wie andere das erlebt haben. Das gibt Raum für die heilende Kraft von Vergeben.

In Suicide formuliert Hermann Hesse seine Sicht für ein Erleben auf dieser Bewusstseinsstufe:

'Er war im All. Es begann damit:...Das Pathos des Sterbens selbst fiel in sich zusammen. Es gab ja keine Abgründe, keinen Schwierigkeiten mehr, die ganze Kunst war, sich fallen lassen. Das leuchtete als Ergebnis seine Lebens hell durch sein ganzes Wesen, sich fallen lassen.

Hatte man das einmal getan, hatte man einmal sich dahingegeben, sich anheim gestellt, sich ergeben? Hatte man einmal auf alle Stützen und den festen Boden unter sich verzichtet, hörte man ganz und gar nur auf den Führer im eigenen Herzen? Dann war alles gewonnen, dann war alles gut, keine Angst mehr, keine Gefahr.

Wunderbarer Gedanke, ein Leben ohne Angst. Die Angst überwinden, das war die Seligkeit, das war die Erlösung. Wie hatte er sein Leben lang Angst gelitten. Und nun der Tod ihn schon am Halse würgte, fühlte er nichts mehr, keine Angst, kein Grauen, nur ein Lächeln, nur Erlösung, nur Einverstandensein.

Er dachte dies nicht, wie man Gedanken denkt, er lebte, fühlte, tastete, roch und schmeckte es, er schmeckte, roch, sah und verstand, was Leben war. ...

Er sah das Spiel der Welt gespiegelt und dargestellt. ..

Sein Leben lag vor ihm wie ein Land mit Wäldern, Talschaften und Dörfern, das man vom Kamm eines hohen Gebirges übersieht.

Alles war gut gewesen, einfach und gut gewesen. Und alles war durch seine Angst, durch sein Sträuben zu Qual und Verwicklungen, zu schauerlichen Knäueln und Krämpfen von Jammer und Elend geworden. ...

Es war selig zu leben, es war selig zu sterben, sobald man allein im Weltraum hing.'

 

In diesem Strom neuer Erfahrungen schwimmt die Seele solange, bis sie alle Widerstände in sich aufgelöst hat. Es schwinden Bewusstseinsinhalte, zurückbleiben Bewusstseinsstrukturen.

Dann fühlt sich die Seele vereint mit gereinigten in weiß erscheinenden Wesen, die sie liebevoll aufnehmen. Hier bringt die Seele ihre erarbeiteten reingeistigen Essenzen ein. Je mehr sie zu geben hat, desto länger verbleibt sie in diesem weißen leuchtenden Lichtfeld. Darin bündeln sich verbliebene Bewusstseinkräfte und lösen sich im 'geistigen Feuer' vollständig auf. Das führt zur Bewusstlosigkeit, d.h. Freisein von allem - auch von sich Selbst. Das ist das eigentliche schwarze Reich des Todes! Hier ist nichts als klare Einheit, als das unbeeinflussbare All, als Gott.

 

Darin verspürt jede unvollkommene Seele irgendwann ein Streben, sich weiter zu vervollkommnen. Ein Impuls bildet sich für ein neues Erdenleben mit weiterführenden Entwicklungsaufgaben. Die basieren auf den Ergebnissen bisheriger Bewusstseinsarbeit mit Ausblick auf weitere Entwicklungsschritte. Dem folgend geht die Seele in umgekehrter Reihenfolge den Weg durch die sich verdichtenden Energiestufen zurück. Sie sammelt auf den einzelnen Ebenen ein, was von ihr bisher noch ungeklärt, ungereinigt geblieben ist. Auf der vorletzten Stufe verabredet sie einen Entwicklungsplan mit den Seelen ihrer zukünftigen Familie und weiteren menschlichen Begegnungen, Beziehungen, um diesen Plan zu realisieren. Ihnen zur Seite stehen helfend und unterstützend  Engelwesen.  Auf der letzten Stufe wählt sie passende, sie zeugende Eltern, vor allem die sie in Zeit und Raum des Erdenlebens gebärenden Mutter.

 

Für den Tod menschlichen Erdenlebens gibt es im Prinzip drei Ursachen.

Er tritt ein, wenn die Erdenzeit abgelaufen ist, die genauso dem kosmischen Plan unterliegt wie der Geburtstermin. Das kann in jedem Alter und scheinbar von außen verursacht sein. Er tritt ein, wenn die Bewusstseinkräfte verbraucht sind.

Er tritt ein, wenn der Tod aus Unachtsamkeit, Unkenntnis schützt vor Konsequenzen nicht, selbst verschuldet wird.

Bei bewusster und gewollter Selbsttötung kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass vorher seelisch ein Sterbeprozess durchlebt wurde. Nach dem klinischen Tod aber hat diese Seele in ihrem letzten Zustand solange zu verharren, bis ihre eigentliche Lebenszeit abgelaufen ist. Ein Selbstmord verhindert also Lernmöglichkeiten in der Schule des Erdenlebens.

Wenn Krankheit das Bewusstsein an Mängel, Schmerzen, Ängste oder Sorgen bindet, stört das nachtodlich die Wandlungskräfte. Immer wird die letzte Bewusstseinshaltung über die Schwelle mitgenommen und ist seelische Grundhaltung für die Erlebnisse und Erfahrungen danach.

 

Ein Sterbender wird positiv unterstützt durch eine ruhige geisterfüllte Atmophäre. Nach dem klinischen Tod beendet jede kleinste Störung innerhalb der nächsten mindestens drei Tage den Aufenthalt in der jeweiligen Entwicklungstufe und katapultiert die Seele in die Bewusstlosigkeit. Verloren gehen Möglichkeiten bewusster Verarbeitung und Auswertungen für die nächste Inkarnation.

 

In allen Kulturen gibt es religiöse Vorstellungen über Nachtodliches und zum Teil Vorgeburtliches. Die sind zwar unterschiedlich, aber durch ein vergleichendes Studium lassen sich Gemeinsamkeiten finden, die wohl die Wahrheit darüber am nächsten abbilden.

Jeder Mensch kann sich seine eigene Meinung, Vorstellung, Wissen und Glauben darauf stützend bilden.

Bewusstseinsarbeit über den Kreislauf von Leben und Tod befreit von Ängsten, befreit aus den engen Fesseln gewohnheitsmäßigen Verhaltens, befreit aus dem Käfig begrenzter oder irriger Überzeugungen, befreit von Illusionen, befreit auch aus unmittelbaren Wirkungen des Karma.

Es regt an, sich in seinem Leben auf Wesentliches zu konzentrieren, befähigt  gezielter und damit effektiver seine Kräfte einzusetzen und kann die Verwirklichung der geistigen Biografie im Jetzt fördern.

 

maria goras

 

 

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So

10

Jan

2016

Das Siebte Große Prinzip des Kybalion heißt Duale Einheit

 

 

Doch stellt euch vor, eure empfindsame innere Künstlerin mit all ihren wundervollen Ideen würde mit eurem inneren Männlichen zusammenarbeiten. Künstlerin und Manager zusammen wären ein nicht aufzuhaltendes erfolgreiches Team!

 

Doreen Virtue

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